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Akkus bei Kälte: Warum sie schwächeln und was wirklich hilft

8. Apr.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen


Im Winter hält der E-Bike-Akku kürzer, der Akkuschrauber gibt früher auf, der Elektrorollstuhl zeigt weniger Reichweite an. Meist ist das kein Defekt: Kälte bremst die Chemie im Akku. Die Energie ist noch da, sie kommt nur schlechter heraus. Ernsthaft schaden können Sie dem Akku im Winter vor allem durch eine Sache: Laden, solange er kalt ist.

Bei BSS reparieren wir Akkus aus E-Bikes, Elektrorollstühlen, Mährobotern und Akkuwerkzeugen. Hier lesen Sie, was bei Kälte im Akku passiert, was Sie je nach Gerät konkret tun können und woran Sie erkennen, dass nicht die Kälte, sondern der Akku selbst das Problem ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kälte senkt die verfügbare Leistung. Ist der Akku wieder warm, ist sie zurück.

  • Lithium-Ionen-Akkus nicht unter 0 °C laden. Das kann die Zellen dauerhaft schädigen.

  • Einen kalten Akku vor dem Laden erst auf Zimmertemperatur kommen lassen.

  • Über den Winter trocken, frostfrei und teilgeladen lagern – nicht leer.

  • Bricht der Akku schon bei leichter Kälte ein, sind oft gealterte Zellen die Ursache.

Was im Akku bei Kälte passiert

In einem Lithium-Ionen-Akku wandern Lithium-Ionen durch eine Flüssigkeit, den Elektrolyten, zwischen den Elektroden hin und her. Bei Kälte wird der Elektrolyt zähflüssiger, und die Reaktionen an den Elektroden laufen langsamer ab. Der Innenwiderstand des Akkus steigt.

Die Folge: Sobald Sie Leistung abrufen – am Berg mit dem E-Bike, beim Anfahren mit dem Rollstuhl, beim Bohren in Beton – bricht die Spannung stärker ein als im Sommer. Fällt sie unter die Abschaltgrenze, schaltet das Batteriemanagementsystem (BMS) ab, um die Zellen zu schützen. Das Gerät wirkt leer, obwohl noch Energie im Akku steckt.

Diese Einbuße ist vorübergehend. Wird der Akku wieder warm, steht die Leistung wieder zur Verfügung.

Grau-schwarze, metallische Box mit Kabeln steckt in gefrorenem Boden. Kühle, winterliche Landschaft mit eisigen Details im Hintergrund.
Ein stilistischer Akku in einer Winterlandschaft

Die wichtigste Regel: Nicht unter 0 °C laden

Beim Laden müssen sich die Lithium-Ionen in die Anode einlagern. Ist die Zelle zu kalt, gelingt das nicht schnell genug. Ein Teil des Lithiums lagert sich dann als Metall auf der Anode ab – Fachleute nennen das Lithium-Plating. Dieses Lithium fehlt dauerhaft, die Kapazität sinkt, und im ungünstigen Fall können die Ablagerungen einen inneren Kurzschluss begünstigen.

Die Zellhersteller legen deshalb fest, in welchem Temperaturbereich geladen werden darf. Ein Beispiel aus dem Datenblatt der Samsung INR18650-35E, einer Zelle, die häufig in E-Bike-Akkus steckt:

  • Laden: 0 bis 45 °C

  • Entladen (Nutzung): −10 bis 60 °C

  • Lagern bis zu einem Jahr: 0 bis 23 °C

Andere Zellen haben ähnliche Grenzen, maßgeblich ist immer das Datenblatt der verbauten Zelle. Auch bei LiFePO4-Akkus ist das Laden unter dem Gefrierpunkt in der Regel nicht freigegeben. Viele BMS sperren den Ladevorgang bei Kälte automatisch. Verlassen sollten Sie sich darauf nicht: Einfache Akkus haben nicht immer einen Temperatursensor an den Zellen.

So laden Sie einen kalten Akku richtig

  1. Den Akku nach der Fahrt oder dem Einsatz in einen beheizten Raum bringen.

  2. Warten, bis er Raumtemperatur hat. Ein großer Akkupack wie ein E-Bike-Akku braucht dafür mehrere Stunden, deutlich länger als ein Handy.

  3. Erst dann ans Ladegerät. Bosch eBike Systems rät außerdem, einen unterkühlten Akku vor dem Laden eine Weile im warmen Raum ruhen zu lassen, damit sich kein Kondenswasser bildet.

  4. Nicht auf die Heizung legen und nicht mit Föhn oder Heizlüfter aufwärmen. Punktuelle Hitze belastet Zellen und Gehäuse.

Was Sie je nach Gerät tun können

E-Bike und Pedelec

  • Den Akku über Nacht nicht am Rad in der kalten Garage lassen, sondern drinnen aufbewahren und erst kurz vor der Fahrt einsetzen.

  • Für längere Fahrten bei Frost gibt es Thermohüllen aus Neopren. Sie halten die Wärme, die der Akku bei der Fahrt selbst erzeugt.

  • Mit weniger Reichweite planen und bei Minusgraden eine niedrigere Unterstützungsstufe wählen. Weniger Last bedeutet weniger Spannungseinbruch.

  • Für die Winterpause nennt Bosch 0 bis 20 °C und einen Ladezustand von etwa 30 bis 60 Prozent.

Wie lange ein E-Bike-Akku insgesamt hält, lesen Sie in unserem Beitrag Wie lange halten Akkus für E-Bikes im Durchschnitt?

Elektrorollstuhl und Mobilitätshilfen

Wer auf den Rollstuhl angewiesen ist, merkt den Reichweitenverlust im Winter besonders. Laden Sie den Akku in der Wohnung, nicht im kalten Auto oder in der Garage. Planen Sie Wege im Winter mit Reserve und nehmen Sie bei längeren Strecken nach Möglichkeit einen zweiten, warm gelagerten Akku mit.

Mähroboter: richtig einwintern

Der Mähroboter steht im Winter monatelang still – und genau in dieser Zeit gehen viele Akkus kaputt. Bleibt das Gerät in der Ladestation im Garten oder in einer ungeheizten Garage, sind die Zellen Frost und Feuchtigkeit ausgesetzt. Entlädt sich der Akku über die Monate zu weit, lässt er sich im Frühjahr nicht mehr laden.

  • Gerät reinigen und an einem trockenen, frostfreien Ort lagern. Husqvarna nennt für den Automower 10 bis 15 °C.

  • Vorher laden – wie weit, steht in der Bedienungsanleitung. Die Angaben unterscheiden sich je nach Hersteller. Husqvarna empfiehlt, den Akku vollständig, mindestens aber auf 50 Prozent zu laden.

  • Das Netzteil der Ladestation vom Strom trennen.

Lädt Ihr Mähroboter im Frühjahr nicht mehr oder fährt er nach wenigen Minuten zurück in die Station, kann ein Zellentausch eine Alternative zum neuen Originalakku sein.

Akkuwerkzeug

  • Akkus nicht über Nacht im Transporter oder auf der Baustelle liegen lassen.

  • Nach dem Einsatz in der Kälte erst aufwärmen lassen, dann laden – auch wenn das Ladegerät in der warmen Werkstatt steht.

  • Mehrere Akkus im Wechsel nutzen und den gerade nicht benötigten warm halten.

Akkus über den Winter lagern

  • Trocken und frostfrei, am besten zwischen 0 und 20 °C.

  • Teilgeladen einlagern, nicht leer. Für die meisten Lithium-Ionen-Akkus ist ein mittlerer Ladezustand ideal. Wenn der Hersteller etwas anderes angibt, gilt die Anleitung.

  • Den Ladezustand während einer langen Pause gelegentlich prüfen. Jeder Akku entlädt sich langsam selbst, und manche Geräte ziehen auch ausgeschaltet etwas Strom.

  • Nicht neben Heizung oder Ofen und nicht auf brennbarem Untergrund lagern. Für die sichere Aufbewahrung gibt es spezielle Akku-Aufbewahrungsboxen.

Ist ein Lithium-Ionen-Akku doch zu weit entladen worden, sollte er nicht einfach weiter geladen, sondern zuerst geprüft werden.

Kälte oder Verschleiß? Woran Sie den Unterschied erkennen

Kälte macht jeden Akku schwächer. Ein gealterter Akku reagiert aber deutlich empfindlicher: Seine Zellen haben bereits einen höheren Innenwiderstand, und die Kälte erhöht ihn zusätzlich. Dann reicht schon ein kühler Herbstmorgen, damit das BMS abschaltet.

Hinweise darauf, dass der Akku selbst das Problem ist:

  • Der Akku schaltet schon bei Temperaturen knapp über null ab, obwohl er im letzten Winter durchgehalten hat.

  • Die Ladeanzeige springt unter Last von mehreren Balken plötzlich auf leer.

  • Auch bei warmem Wetter ist die Reichweite oder Laufzeit spürbar gesunken.

  • Der Akku wird beim Laden nicht mehr voll oder das Ladegerät bricht ab.

Häufig ist dann nicht der ganze Akku verbraucht, sondern einzelne Zellgruppen sind schwächer als der Rest. Beim Zellentausch ersetzen wir die Zellen durch neue Markenzellen, das Gehäuse bleibt erhalten. Über unsere Reparaturanfrage können Sie Ihren Akku beschreiben, bevor Sie ihn einsenden.

Häufige Fragen

Verliert mein Akku durch Kälte dauerhaft Kapazität?

In der Regel nicht. Die geringere Leistung bei Kälte ist vorübergehend. Dauerhafte Schäden entstehen vor allem durch Laden unter 0 °C und durch Lagerung in leerem Zustand.

Darf ich bei Minusgraden fahren oder arbeiten?

Ja, im Rahmen der Herstellerangaben. Die Samsung 35E ist zum Beispiel für die Entladung bis −10 °C freigegeben. Rechnen Sie mit weniger Leistung und Reichweite, und lassen Sie den Akku nach der Nutzung erst warm werden, bevor Sie ihn laden.

Soll der E-Bike-Akku im Winter am Rad bleiben?

Während der Fahrt ja. Zum Abstellen über Nacht und für die Winterpause gehört er in einen frostfreien Raum.

Hilft eine Thermohülle?

Sie hält die Wärme im Akku, die er bei der Nutzung selbst erzeugt, und verlangsamt das Auskühlen. Einen bereits kalten Akku wärmt sie nicht auf. Sinnvoll ist sie vor allem bei längeren Fahrten bei Frost.

Ihr Akku macht auch bei warmem Wetter nicht mehr mit? Schreiben Sie uns über die Reparaturanfrage oder rufen Sie an: 0791-93719987.

 
 
 

1 Kommentar


evovexufix02
12. Okt.

nice text bro

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